DAS JÜDISCHE MUSEUM IN PRAG


 

Die Assanierung des Prager Judenviertels, 1900
An der Wiege des Jüdischen Museums standen 1906 zwei Männer: der Historiker Dr. Salomon Hugo Lieben und Dr. Augustin Stein, Repräsentant der Tschechisch
-jüdischen Bewegung und späterer Vorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde in Prag. Die ursprüngliche Absicht war, wertvolle Kunstgegenstände aus den Prager Synagogen zu bewahren, als diese im Zug der Umbauten in der Judenstadt zu Beginn des 20. Jahrhunderts aufgelöst wurden.
Nach der Okkupation Böhmens und Mährens durch den NS-Staat am 15. März 1939 wurde das Museum für die Öffentlichkeit geschlossen. Im Jahr 1942 richteten die Nazis das Jüdische Zentralmuseum ein, in dem Kunstgegenstände aus allen aufgelösten Synagogen Böhmens und Mährens gehortet wurden. Die Gründung erfolgte auf Anregung von Dr. Stein, der in Zusammenarbeit mit weiteren Fachleuten bemüht war, die bei der Konfiskation jüdischen Besitzes gefährdeten Zeugnisse jüdischer Kultur und Kunst zu retten. Nach langwierigen Verhandlungen haben die NS-Stellen schließlich das Projekt des Zentralmuseums genehmigt, auch wenn sie damit andere Absichten verfolgten als seine Schöpfer.
Nach dem 2. Weltkrieg wurde das Jüdische Museum dem Zentralrat der jüdischen Gemeinden in der ÈSR unterstellt. Nach 1950 wurde es unter Druck in den Besitz des seit 1948 unter kommunistischer Diktatur stehenden Staates überführt. Eine volle Entfaltung der Sammel-, Expositions-, Forschungs- und Bildungstätigkeit des so entstandenen Staatlichen Jüdischen Museums wurde durch zahlreiche Auflagen unterbunden.
A. Machek: Porträt des S. J. L. Rapoport, um 1840
A. Machek: Porträt des
S. J. L. Rapoport, um 1840

Nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Regimes 1989 wurden Bedingungen für eine Statusänderung des Museums geschaffen. Mit dem 1. Oktober 1994 wurden die Gebäude an die Jüdische Gemeinde in Prag und die Sammlungen an die Föderation jüdischer Gemeinden in der ÈR zurückgegeben, gleichzeitig entstand das Jüdische Museum in Prag als eine nichtstaatliche Institution.
Das Jüdische Museum verfügt mit seinen 40 000 Gegenständen und 100 000 Büchern über eine der umfangreichsten Judaica-Sammlungen der Welt. Diese ist nicht nur durch die Menge ihrer Sammlungsstücke, sondern vor allem wegen deren Provenienz einzigartig – sie entstammen einer in sich geschlossenen Region, denn sie kommen ausschließlich aus Böhmen und Mähren. In ihrer Gesamtheit liefert die Sammlung also ein komplettes Bild von Leben und Geschichte der Juden in diesem Land.
Das Jüdische Museum hat folgende Objekte unter seiner Verwaltung: die Maiselsynagoge, die Spanische Synagoge, die Pinkassynagoge, den alten Judenfriedhof, die Klausensynagoge, den Zeremoniensaal (das Gebäude der Prager Beerdigungsbruderschaft) sowie der jüdische Friedhof in Prag-Žizkov.
 

 
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